Menschen wie wir

Oder: Weimeraner brauchen keine Streicheleinheiten fürs Ego

Mal wieder im Museums-Shop gewesen. Kunstwerk entdeckt. Kunstwerk? Das ist doch ein Buch. Kunst zwischen Buchdeckeln eben.

Fast jeder von euch kennt das eine oder andere Foto von William Wegman und seiner tierischen Models. Oder seine Videos. Oder hat Sesamstrasse geguckt.

© William Wegman / courtesy Schirmer/Mosel

© William Wegman / courtesy Schirmer/Mosel

 

 

 

 

 

 

William Wiliam Wegman, geboren 1943, ist ein amerikanischer Künstler, Schlüsselfigur der West Coast Conceptual Art und Pionier der damals neu entwickelten Videokunst. Seinen ersten Weimeraner „Man Ray“ fotografierte er bereits in den 1970er Jahren. Nachdem Man Ray 1982 starb, dauerte es vier Jahre, bis er sich einen neuen Hund anschaffte. Fay Ray. Weiblich, verletzlich und sehr emotional. Weitere Weimeraner folgten. Sie alle wurden Bestandteil von William Wegmans‘ inszenierten Fotografien und Filmen. Von 1979 – 2007 arbeitete William Wegman ausschließlich mit der Polaroid 20 x 24 Zoll Großformat-Kamera und machte mit ihr jedes Jahr hunderte von Fotos. Seine Arbeiten erschienen in der Werbung, in Büchern für Kinder und Erwachsene sowie in Fernsehsendungen wie „Sesamstraße“ und „Saturday Night Live“. Zahlreiche Museen widmeten Wegman Ausstellungen. William Wegman lebt und arbeitet in New York und im Bundesstaat Maine.

© William Wegman / courtesy Schirmer/Mosel

Für den Bildband „Menschen wie wir“ hat William Wegman seine Archivschachteln geöffnet. Für ihn ein beglückender Rückblick in die Vergangenheit und ein Wiedersehen mit all seinen geliebten Hunden.

Wenn ich ganz ehrlich bin, war ich beim ersten Durchblättern ziemlich skeptisch, als ich die Weimeraner in Pulli, Hemd oder Opernkleid sah, denn ich stehe der zunehmenden Vermenschlichung von Hunden sehr kritisch gegenüber. Dabei ist es dann auch egal, ob wir unsere Hunde „todquatschen“ oder ihnen eine Perücke aufsetzen. Doch zwischen den über 300 Fotos erkannte ich die Schönheit, Ästhetik und Präzision, den Witz und die Skurrilität. Aber vor allem: Die Würde im Blick der Hunde in jedem einzelnen Foto. Erst danach fing ich an zu lesen. Das augenzwinkernde Essay des Fotografie-Historikers William E. Ewing zu Beginn des Buches und die „Entstehungsgeschichte“ der „Hunde und Bilder“ von William Wegmann am Ende des Bandes, der sich seine sehr eigenen Gedanken um das Thema Anthropomorphismus machte. Und meine Meinung änderte sich. Nicht über die Vermenschlichung von Tieren grundsätzlich, sondern die im speziellen von William Wegmanns Kunst-Hunden. Kunst mit seinen Hunden. Die Arbeit im Team. Als Partner in einer liebevollen Mensch-Hund-Beziehung. Als Musen unzähliger Kunstwerke. Als Inspirationsquelle für hunderte seiner Ideen.

© William Wegman / courtesy Schirmer/Mosel

Mein Fazit: Ein wunderschöner Bildband, für alle die Hunde lieben, die Kunst und Hunde lieben und die dabei ihren kritischen Blick behalten, was die Vermenschlichung von Hunden angeht. Dass unserer Hunde glücklich sind, wenn wir uns einfach nur mit ihnen beschäftigen, sie herausfordern, Zeit mit ihnen verbringen, Spaß mit ihnen haben. Und dass sie keine Kostümierung brauchen. Sondern einfach Hund sein wollen und sollen.

© William Wegman / courtesy Schirmer/Mosel

© William Wegman / courtesy Schirmer/Mosel

Wegman, William: Menschen wie wir / mit Texten von William A. Ewing und William Wegman, 348 Seiten, 333 Abbildungen in Farbe , München: Schirmer Mosel, 2017,  ISBN 978-3-8296-0809-1, € 24.80

Diesen wunderschönen Kunstband hat mir der Schirmer Mosel Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

 

 

 

 

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