Die richtige Pflege des Fells deines Hundes ist nicht nur eine Frage der Ästhetik, sondern vor allem des Wohlbefindens. Besonders im Sommer kann das Schneiden und Pflegen des Hundefells dazu beitragen, dass sich dein Vierbeiner wohler fühlt und gesund bleibt. In diesem Artikel erfährst du alles Wichtige rund um das Thema Hundefriseur und Fellpflege.

Dabei unterstützte uns dankenswerterweise Eva Sinko, die Betreiberin des „Hundesalon Jacky“ in München (Thalkirchen), mit Ihrer Expertise, bei der unsere Hündin auch schon Kunde sein durfte.

Hundepflege – Was braucht es regelmäßig?

Waschen

Die Häufigkeit des Waschens hängt in erster Linie vom Verschmutzungsgrad deines Hundes ab. Grundsätzlich gilt: So häufig wie nötig, so selten wie möglich! Zu häufiges Baden kann der Hundehaut schaden. Benutze nur spezielle Hundeshampoos und wasche sie gut wieder aus. Da die meisten Hunde Wasserratten sind, erledigt sich das Waschen zwischendurch durch Baden und Plantschen im See oder Fluss oft von selbst. Eine gründliche und schonende Reinigung und Pflege des Felles ersetzt es aber keinesfalls.

Eva Sinko: Grundsätzlich sollte besonders längeres Fell gewaschen werden. Gerade in der Großstadt befindet sich viel Feinstaub in der Luft und der setzt sich im Fell fest. Eine Selbstreinigung des Felles funktioniert da nicht mehr. Daher sollte das Fell mindestens alle 6-8 Wochen gewaschen werden. In Gegenden mit weniger Feinstaub, z.B. auf dem Land mit weniger Strassenverkehr, kann man es etwas entspannter angehen. Bei Hunden mit Kurzhaar kann eine Fellwäsche 2 mal im Jahr ausreichend sein. Wichtig bei der Fellwäsche sind die passenden Produkte für den jeweiligen Felltyp. So gibt es beispielsweise für jedes Fell passende Shampoos. Ein Conditioner ist auch ratsam, um das Fell zu schützen und zu pflegen. Bei der Unmenge der auf dem Markt befindlichen Shampoos und Conditionern ist darauf zu achten, das richtige Produkt für den jeweiligen Felltyp auszuwählen. Wenn man dann noch berücksichtigt, dass es sehr wohl auch minderwertige Produkte gibt, die dem Fell mehr schaden als nutzen, so kann man sehr schnell den Überblick verlieren. Im Zweifel sollte man sich an einen Profi wenden.

Na klasse, das hört sich ja aufwendiger an, als gedacht. Aber wenn man bedenkt, dass es sich bei unseren Liebsten um Haustiere handelt, die mal mehr mal weniger das Ergebnis einer Jahrtausend langen Zucht sind und gerade bei Fell nicht mehr viel mit Ihren wilden Artgenossen zu tun haben, so mag das schon einleuchten. Aber Föhnen können wir uns ja hoffentlich sparen, oder? Wo kommen wir denn dahin?

Eva Sinko: „Föhnen ist wichtig, auch beim Kurzhaar. So lockert mann das Fell und loses Fell wird schonend entfernt. Föhnen ist also nicht nur dafür da, das Fell trocken zu bekommen. Aber bitte nie zu heiss, höchstens lauwarm föhnen. Der klassische Föhn zuhause eignet sich dafür allerdings in den seltensten Fällen. Spezielle Hundeföhne trocknen auch bei lauwarmer Temperatur das Fell schneller und gezielter. Um für den Hund die Prozedur etwas angenehmer zu gestalten, kann man ihm auch eine Haube aufsetzen, dann ist es auch nicht so laut.“

Bürsten und Kämmen

Bei Rassen, die viel Fellpflege benötigen, kann das Fell schnell verfilzen und verknoten. Verfilzungen können schmerzhafte Entzündungen verursachen. Regelmäßiges Bürsten und Kämmen hilft auch, abgestorbenes Fell zu entfernen und verhindert, dass das Fell ungepflegt aussieht oder unangenehm riecht. Aber auch Hunde mit kurzem Fell genießen das Bürsten ihres Fells inklusive Massageeffekt.

Eva Sinko: „Beim Langhaar sollte man erst bürsten, das lockert das Fell. Erst dann kommt der Kamm zum Einsatz. Mit dem Kamm kontrolliert man, ob man auch wirklich alle Knoten im Fell herausbekommen hat. Es ist bei langem Fell auch ratsam spezielle Pflegesprays vor dem Bürsten und Kämmen zu verwenden, das erleichtert die Arbeit und macht es damit für den Hund auch angenehmer. Und bitte: Verwendet keine billigen Bürsten und Kämme und achtet darauf, dass sie zu dem jeweiligen Felltyp passen. Sonst kratzt und zupft es unnötig. Das würde man an sich selbst ja auch nicht wollen. Die Fellpflege mit einer guten Bürste bzw. einem guten Kamm ist dann Wellness für die Hunde und keine Tortur. Beim Kurzhaar verwendet man z.B. am besten Bürsten mit Gumminoppen.

Scheren und Schneiden

Hunde mit Unterwolle sollte man nicht scheren. Scheren würde dazu führen, dass das Deckhaar und die Unterwolle gleich lang sind und die natürliche Fellstrukur hinüber ist. Unterwolle also bitte nur ausbürsten.
Das Schneiden des Fells erfordert Geschicklichkeit und Erfahrung. Zu beachten ist, dass es hier je nach Hunderasse grosse Unterscheide gibt. Bei manche Rassen, wie den Pomeranian, darf das Fell nie geschnitten werden. Bei anderen wiederum wächst das Fell gefühlt ewig und kann durch einen Schnitt im Zaum gehalten werden (Havanaser, Bologneser, ..). Wenn du unsicher bist, ob und wie viel du abschneiden sollst, ist es ratsam, einen Profi aufzusuchen. Ein falscher Schnitt kann nicht nur das Fell dauerhaft ruinieren sondern deinem Hund auch Schmerzen bereiten oder sogar Verletzungen verursachen.

Eva Sinko: „Um in der heissen Jahreszeit Hotspots unterm Hals, also Entzündungen der Haut, die punktuell und oberflächlich auftreten, zu vermeiden, sollte hier auch geschnitten und ggf. die Unterwolle werden. Bei Ausstellungshunden wickelt man langes Fell im Kopfbereich zusätzlich. So kann es gut und sauber wachsen ohne den Hund zu stören.

Trimmen

Trimmen, ist eine spezielle Technik, bei der abgestorbenes Fell ausgezupft wird, ohne das gesunde Fell zu beschädigen. Diese Methode ist besonders wichtig für rauhaarige Rassen wie Terrier und Schnauzer, die ein dreischichtiges Fell besitzen. Die dritte Schicht wird von abgestorbenen rauen Haaren gebildet, die nicht von alleine herausfallen, sondern lose an der Haut sitzen. Den Hund sollte man auch nicht einfach scheren (siehe Scheren und Schneiden). Das Trimmen sorgt dafür, dass das Fell gesund bleibt, seine Farbe und Struktur behält und den Hund nicht juckt. Wenn ihr einen Hund habt, der getrimmt werden muss, könnt Ihr das mit dem richtigen Werkzeug selbst erledigen. Es gibt aber auch Profis, die das für Euch übernehmen können.

Eva Sinko: „Trimmen ist sehr anstrengend, bedeutet viel Arbeit, kann man aber beim eigenen Hund gut selbst gemacht werden. Alle 8 – 12 Wochen wäre ein sinnvoller Turnus. Viele Hundefriseur*innen bieten das leider nicht mehr an, da man sich da schnell eine Sehnenscheidenentzündung einfangen kann, wenn das mehrmals täglich macht.“

Hundefriseur/in, Hundekosmetiker/in oder Groomer – was ist eigentlich der Unterschied?

Wenn dein Hund sich gegen die Fellpflege wehrt, kann ein Profi hilfreich sein, der weiß, wie man deinen Hund auf sanfte Art überzeugt und ihn sauber und gepflegt bekommt. Die Bezeichnungen können hier sehr unterschiedlich ausfallen. Was ist den nun der Unterschied zwischen Hundefriseur/in, Hundekosmetiker/in und Groomer?

Eva Sinko: „Keiner. Aktuell ist die Bezeichnung Groomer sehr angesagt. Und nachdem es sich in Deutschland nicht um geschützte Berufsbezeichnungen handelt, kann jeder ohne eine besondere Ausbildung und Erfahrung hier tätig werden und z.B. einen Hundesalon eröffnen.“

Und woran erkenne ich nun einen guten und erfahrenen Profi?

Hier sind einige Tipps, worauf du achten solltest:

• Ausbildung und Qualifikationen: Die Person sollte über umfangreiche Erfahrung und entsprechende Qualifikationen verfügen. Scheu dich auch nicht nach Zertifikaten und Lizenzen zu fragen.
• Freundlichkeit und Geduld: Dein Hund sollte sich wohl und sicher fühlen. Achte darauf, dass mit Deinem Hund freundlich und geduldig umgegangen wird.
• Hygiene: Eine saubere und hygienische Umgebung ist wichtig, um Infektionen zu vermeiden. Achte z.B. auf die Verwendung von sauberen Handtüchern und Scheren.
• Kosten: Informiere dich im Voraus über die Preise und ob es zusätzliche Kosten geben könnte.
• Empfehlungen und Bewertungen: Frage Freunde, Familie oder deinen Tierarzt nach Empfehlungen und schaue dir Online-Bewertungen an.
• Und: du kennst deinen Hund selbst am besten und erkennst, ob er sich wohlfühlt oder total gestresst ist.

Eva Sinko: „Eine seriöse Ausbildung dauert 2-3 Monate in Vollzeit. Von sogenannten Profis, die nach einem Wochenendseminar glauben, dem Job gewachsen zu sein, sollte man Abstand nehmen. Ausserdem sollte man bei Online-Bewertung durchwegs positive Stimmen ruhig hinterfragen und vor allem kritische oder gar schlechte Bewertung ernst nehmen.


Im Hundesalon (mit dabei bleiben) oder doch gleich ein Hausbesuch?

Du glaubst, Dein Hund ist dem Stress im Hundesalon nicht gewachsen und willst auf jeden Fall dabei bleiben oder würdest sogar einen Hausbesuch vorziehen? Hier lassen wir gleich unsere Expertin zu Wort kommen, denn da hatten wir auch den einen oder anderen Aha-Moment.

Eva Sinko: „Es gib Hunde, die erst chillen, wenn der/die Besitzer*in weg ist. Sie können nämlich auch ganz gute Schauspieler sein 😉 Auch kann sich die Nervosität des Besitzers/der Besitzerin auf den Hund übertragen. Ein souveräner Profi strahlt Ruhe aus und kann so recht schnell Vertrauen zum Hund aufbauen. In meiner Praxis hatte ich noch nie den Fall, dass das nicht geklappt hat. Aber natürlich gibt es Fälle, in denen es sinnvoll ist, wenn der Besitzer/die Besitzerin dabei bleibt. Gerade alte und demente Hunde brauchen einfach eine bekannte Person um sich, um mit der Situation besser zu recht zu kommen. Und zum Thema Hausbesuche: Da sollte man sich im klaren sein, dass das hier alles benötigte Werkzeug mitgebracht werden muss. Nimmt man noch die Kosten der Anfahrt hinzu, dann wird das ganz schnell viel teurer als ein Besuch im Hundesalon. Und hier reden wir noch gar nicht davon, die eigenen 4 Wände nach dem Termin wieder wieder sauber zu bekommen.

Unser Fazit
Die richtige Fellpflege ist entscheidend für das Wohlbefinden deines Hundes, nicht nur im Sommer. Egal, ob du die Pflege selbst übernimmst oder zu einem Profi gehst, stelle sicher, dass du dich gut informierst und die Bedürfnisse deines Hundes im Auge behältst.

Wir bedanken uns für die Unterstützung und Expertise von Eva Sinko, mit Herz und Seele Hundefriseuse und Betreiberin des Hundesalon Jacky in München (Thalkirchen).


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